So ein Italiener ist was feines
Mit meinem neuen Freund Enrico verbringe ich jetzt die meiste Zeit am Pool. Er ist so sanft und zuvorkommend und trocknet mich immer ab, wenn ich aus dem Wasser komme.
Manchmal sehe ich noch den untröstlichen Hans-Uwe, wie er über die Mauer schaut und wutentbrannt Enrico und mich erblickt, wenn wir gerade kuscheln. Morgen fliegen wir nach Rom und verbringen dort ein romantisches Wochenende in einem tollen Luxushotel. Ist schon witzig, dass jemand wie ich so was einfach machen kann, obwohl er im Leben noch nie einen Finger krumm gemacht hat.
Enrico hat bis vor kurzem noch als Kellner in einer alten Eisdiele gearbeitet. Aber als er Wind bekommen hat, dass ich pekuinär ganz gut aufgestellt bin, hat er sofort gekündigt und ist hier eingezogen. Er hat auch einen meiner Ferraris einfach ohne meine Zustimmung angemeldet und fährt ihn jetzt permanent spazieren.
Ich mag, dass er ein typ ist, der sich die Dinge zu Willen macht und erzwingt, dass man sich seiner leidenschaftlichen Männlichkeit fügt. In dieser Hinsicht ist er ganz anders als Hans-Uwe, der im Grunde nichts weiter als ein elender Schlappi war.
Es war an der Zeit endlich mal einen richtigen Kerl zu erwischen und nicht immer nur so ein Weichei. Als ich Enrico fragte, ob er mir denn dann auch die geheimen Plätze Roms zeigen könne, da er die Stadt wie seine Westentasche kennen würde, gestand er mir, dass er in seinem Leben noch nie in Rom gewesen sei. Ich wollte dann aber wenigstens ein paar Brocken Italienisch von ihm lernen.
Am Ende kam heraus, dass er keine Silbe italienisch Sprechen würde. Auf einmal fand ich ihn und seinen italienischen Akzent lächerlich und nahm mir vor ihn in Rom auch wieder abzusetzen.
Wie kann man nur so dumm sein
Ich überlege langsam, ob der Hans-Uwe wirklich zu mir passt. Er will mich zwar die ganze Zeit heiraten, aber ich weiß nicht, ob er mich aus den mir richtig erscheinenden Gründen ehelichen will oder nur mein Geld vor Augen hat.
Als ich in Betracht gezogen habe, ihn zu heiraten, gingen ihm die Augen über und ich habe Dollarzeichen in ihnen ausmachen können. Dann habe ich aus Spass die Rede auf einen Ehevertrag mit Gütertrennung gebracht, und er wär mir fast ohnmächtig geworden.
Jetzt ärgere ich diesen alten Sack gerne damit, dass ich ihn in der Hoffnung lasse, dass er mich durch gutes gefälliges Verhalten doch noch rumkriegen kann, ihn ohne Ehevertrag zu heiraten, auch wenn ich das beim besten Willen nicht im Entferntesten in Betracht ziehe. Ich war so oft verheiratet und habe aus meinen Fehlern gelernt. Er aber ist jetzt wie ein kleines Hündchen.
So richtig billig und fast wie mein Sklave. Wenn er so weiter macht, werfe ich ihn aus Ekel aus dem Haus. Dabei habe ich es auf einen Typen abgesehen, den ich beim Rommé-Abend kennengelernt habe. Ein richtig cooler Italiener und Spieler.
So ein windige Gestalt wie aus den Romanen, die ich so sehr mag. Mal schauen, wie sich das entwickelt. Bis dahin schneidet mir der temperamentlose Hans-Uwe jeden Tag die Zehennägel und erweist mir auch sonst allerlei Gefälligkeiten. Erst gestern habe ich ihn dazu angehalten, meine Autos zu waschen. Mehr aus Scherz.
Am Ende hat er 24 Stunden durchgeputzt. Ich kam aus dem Gelächter nicht mehr raus. Morgen werde ich ihm sagen, dass er sich zum Teufel scheren soll.
Grüße aus Storkow
Hey ihr! Ich bin die Hanneliese Irmbacher-Schmitz und lebe mit meinem Lebenspartner und meinen fünf Katzen in Storkow. Ich bin jetzt zum vierten mal geschieden und habe endlich einen Mann gefunden, der mich wegen meiner intellektuellen Fähigkeiten und nicht wegen meiner drallen Rundungen liebt.
Mein Freund heißt Hans-Uwe und ist Postbote. Wenn er den ganzen Tag unterwegs ist, lese ich meistens Abenteuerromane und esse Konfekt. Meine Lieblingssendung ist St. Tropez. Ich liebe einfach diese Sendung so sehr, dass ich keine Folge verpassen will. Eigentlich müsste mein Freund ja genauso wenig arbeiten wie ich, da ich reich geerbt habe und ihn auch gerne mitversorgen würde. Allerdings ist er zu stolz dafür und trägt lieber weiter Briefe aus, anstatt mich zu unterhalten.
Ist das nicht absurd? Zu stolz um Geld anzunehmen, aber dennoch Briefe austragen, wie so ein armer Bukowski? Ist aber seine Sache. Ich habe soviel Geld, weil mein Papsi früher ein Konservenfabrikant war. Er hat Milliarden damit gemacht, drittklassige italienische Tomaten in Dosen zu pressen. Ist das nicht absolut schrill? Ich habe die Fabriken und alles weitere dann verkauft und lebe jetzt wie Krösus.
Daher stelle ich mir selten die Frage, kann ich mir noch ein Stück Brot leisten, sondern eher Cabrio oder lieber ein Coupe? Ihr habt’s sicher schon raus. Ich bin Autonarr und sammle die neusten, um sie mir in den Fuhrpark zu stellen. Das schrillste ist dabei, dass ich nichtmal einen Führerschein habe.
Daher habe ich, um Geld zu sparen, die Autos auch nicht angemeldet und mein fester Freund Hans-Uwe kann keins davon fahren und muss immer mit dem Fahrrad zur Post.